20/2/2025
Führungen: 16.30 Uhr
Konzert: 18.30 Uhr
»Kinderszenen aus Istanbul« in der Martinskirche Hannover
Die in Istanbul geborene Pianistin Serra Tavsanli nimmt ihre eigene Kindheit zum Anlass für einen Abend über die Gemeinschaft. Sie erzählt von ihren armenischen, griechischen und jüdischen Nachbarn im Haus ihrer Kindheit, den gemeinsamen Feiern und dem Zusammenhalt – besonders unter den Frauen.
Musikalisch bildet der Kinderszenen-Zyklus von Robert Schumann das musikalisch-poetische Gerüst, aufgefüllt mit Kompositionen aus dem 20. und 21. Jahrhundert – u.a. ein für Serra Tavsanli komponiertes Stück des Istanbuler Komponisten Ahmed Altinel.
Ein wichtiger Teil des Abends ist den Frauen gewidmet: der Bogen reicht vom Schicksal Fanny Hensels über die jüdische Komponistin Vally Weigl und der Armenierin Koharik Gazarossianbis hin zur griechischen Komponistin Konstantia Gourzi.
Die Videos und Soundscapes von Folkert Uhde, alle eigens für dieses Projekt in Istanbul aufgenommen, entführen das Publikum in die lebendige, inspirierende und multikulturelle Metropole am Bosporus – mit einem sehr poetischen Blick, der niemals von der Musik ablenkt, sondern weite Assoziationsräume öffnet.
Das Projekt entstand im Rahmen des Istanbul-Schwerpunktes für das Schleswig-Holstein Musikfestival. Die Uraufführung war am 22. August 2025 in Kiel.
Die Martinskirche Hannover-Linden
Die evangelisch-lutherische Martinskirche in Linden ist die älteste Kirchengemeinde von Linden, ein Gotteshaus ist bereits 1285 urkundlich belegt, 1728 wurde es durch einen barocken Saalbau ersetzt, dessen Turm wegen Geldmangels nicht vollendet werden konnte. 1855 entwarf Conrad Wilhelm Hase (1818–1902) den bis heute bestehenden Turm. Als am 22. September 1943 die Kirche bei einem Bombenangriff zerstört wurde, blieb nur der Turm weitgehend erhalten. Der heutige Kirchenbau ist dementsprechend ein Koglomerat zweier Bauabschnitte, von denen insbesondere die Wiederaufbauphase eine bedeutende ist: Am Ort der alten im Zweiten Weltkrieg zerstörten Kirche entstand in den Jahren 1955–57 nach Entwurf des Architekten Dieter Oesterlen (1911–1994) ein für den Nachkriegskirchenbau in der Bundesrepublik Deutschland wegweisender Kirchsaal mit Haupt- und Seitenschiff. Die Seitenwände der Kirche (Nord und Süd) bestehen aus Betonsteinen mit Zuschlägen aus Werksteinsplitt. Die Ständer der Kirchendachkonstruktion, zwischen denen die Betonsteinfassade liegt, sind aus Stahlbeton und an den Seitenwänden von innen und außen sichtbar. Die Steine sind im Läuferverband mit Lücke gesetzt, so dass durch die Verbreiterung der Stoßfugen Lichtöffnungen zwischen den Steinen entstanden. Die stirnseitigen Wände der Kirche (im Osten und Westen) sind fensterlos, im Grundriss leicht winkelartig ausgebildet und bestehen aus besandeten roten Backsteinen. Dieser Materialmix ist wohl durchdacht und wirkungsvoll genutzt. Die Emporen sind aus Sichtbeton, die schräg liegenden Sitzbankreihen bestehen aus Holzbohlen, deren massive Beine als Auflagekonstruktion aus Beton fest im Boden verankert sind. Die Dachkonstruktion des Saalbaus hat die konstruktiven Möglichkeiten des Stahlbetonbaus der 1950er-Jahre in unvergleichlicher Art und Weise ausgereizt. Es liegt ein sehr dünnes Traggerippe aus einem System von Dreigelenkrahmen aus Stahlbeton vor. Zu beiden Seiten des Altars sind die Seitenwandflächen der Kirche mit Buntglasfenstern in einer Rahmenkonstruktion aus Metall und einem System aus Bleiruten versehen, der Fußboden im Kirchenschiff besteht aus bruchrauem Schiefer, während der Boden des um drei Steigungen erhöht gelegenen Altarbereichs mit geschliffenen Anröchter Dolomit belegt ist. Es handelt sich bei der Martinskirche um eine der ersten Kirchen in Deutschland, die das Konzept der »klassischen« Wegekirche verlässt und auf eine Gestaltung der Zone hinter dem Altar mittels Chorausbildung und Chorfenster verzichtet.
Die Martinskirche und ihre Geschichte ist hier ausführlich beschrieben.
Bauzeit: 1957–57, Architekt: Dieter Oesterlen, Foto: R. Curti, NLD